Abraham Lincoln
(geb. 1809,  † 1865)

16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika

Regierungszeit: 1861 – 1865 (ermordet)
Parteizugehörigkeit: Republikaner
Heimatstaat: Kentucky (Südstaat)
Haltung zur Sklaverei: contra

Sohn eines Kleinfarmers; Selbststudium der Rechte, Zulassung als Anwalt. Lincoln gilt, gleichrangig mit dem Staatsgründer Washington und noch vor Jefferson und den beiden Roosevelts, als einer der bedeutendsten Präsidenten der amerikanischen Geschichte. Der Hauptteil dieses Ruhms ist der Tatsache zu verdanken, daß er sich im Amt befand, als die Nation an ihrem wichtigsten Scheideweg stand: vor der Entscheidung nämlich, ob sich in der Sklavenfrage der Norden oder der Süden durchsetzen werde.

Obwohl Lincoln vorgab, kein radikaler Abolitionist zu sein, und er den Bürgerkrieg zunächst scheinbar nicht mit dem Vorsatz der Sklavenbefreiung führte, versetzte doch allein seine Wahl den Süden derart unter Zugzwang, daß zuerst South Carolina, bis zur Amtseinführung dann nach und nach fast alle Südstaaten aus der Union austraten. Tatsächlich ist davon auszugehen, daß es ihm mehr um den Schutz wirtschaftlicher Interessen des Nordens als eigentlich um die Befreiung von Negersklaven ging: Im Wahlkampf stellte er wissentlich die falsche Behauptung auf, der Süden plane, die Sklaverei nach Norden auszudehnen, und heizte den Streit damit beträchtlich an. Als er sich 1863 entschloß, die Befreiung als zentrales Kriegsziel zu deklarieren, nahm er diejenigen Sklavenhalterstaaten, die in der Union verblieben waren (Maryland, Delaware), von dem Befreiungsversprechen aus. Zu dieser Handlungsweise paßt Lincolns eigenes opportunistisches Bekenntnis, er würde, wenn es denn den Bestand der staatlichen Einheit sichern würde, darauf verzichten, auch nur einen einzigen Sklaven zu befreien. Gleichzeitig waren es aber seine Drohungen und seine Weigerung, auf Buchanans Schlichtungsversuche einzugehen, die den Süden in die Konföderation und in den Unabhängigkeitskrieg getrieben hatten.

Vor dem Hintergrund solcher politischen Winkelzüge muß auch Lincolns Ansprache nach der Schlacht von Gettysburg (1863) verstanden werden, die bei aller Kürze wohl die berühmteste Volksrede der amerikanischen Geschichte werden sollte:
„Vor 87 Jahren gründeten unsere Väter auf diesem Kontinent eine neue Nation, empfangen in Freiheit und dem Grundsatz geweiht, daß alle Menschen gleich erschaffen sind. Nun stehen wir in einem großen Bürgerkrieg, der eine Prüfung ist dafür, ob diese Nation oder irgendeine dergestalt empfangene und auf den gleichen Grundsätzen beruhende Nation Bestand haben kann. Wir haben uns hier auf einem der großen Schlachtfelder dieses Krieges versammelt. Wir sind gekommen, einen Teil dieses Feldes zur ewigen Ruhestätte für jene zu weihen, die ihr Leben dafür gaben, daß diese Nation leben möge. Es ist nur recht und billig, daß wir dies tun. Doch in einem weiteren Sinn können wir diesen Boden nicht weihen, können wir ihn nicht einsegnen, können wir ihn nicht heiligen. Die tapferen Männer, Überlebende und Tote, die hier kämpften, haben ihn weit mehr geweiht, als daß wir mit unserer schwachen Kraft etwas verringern oder hinzufügen könnten. Die Welt wird sicher kaum Notiz nehmen von dem, was hier gesagt wird, und sie wird sich gewiß nicht lange daran erinnern, aber sie wird nie vergessen, was diese Männer getan haben. An uns, den Lebenden, ist es vielmehr, uns dem unvollendete Werk zu weihen, das diese Männer so trefflich vorangetrieben haben. An uns ist es, uns der großen Aufgabe zu weihen, die noch vor uns liegt, und von diesen verehrten Toten zu lernen, uns noch stärker der Sache zu widmen, für die sie alles gegeben haben. Wir wollen hier den unerschütterlichen Beschluß fassen, daß ihr Tod nicht umsonst gewesen sein soll, daß diese Nation mit Gottes Hilfe eine Neugeburt der Freiheit erleben soll, und daß die Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk, nicht von der Erde verschwinden soll.“

Die Wende des Krieges zu Ungunsten der Konföderierten Staaten rettete dem Bürgerkriegspräsidenten 1864 die fast schon für unmöglich gehaltene Wiederwahl. Einen Monat nach dem zweiten Amtantritt und wenige Tage nach der bedingungslosen Kapitulation des Südens wurde Abraham Lincoln während eines Theaterbesuchs von einem Südstaatler erschossen. Es war das erste Mal, daß ein amerikanischer Präsident ermordet wurde.

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Alle Präsidenten der USA

1. George Washington (geb. 1732,  † 1799) aus Virginia (Süd) 1789 - 1797 Föderalist
2. John Adams (geb. 1735,  † 1826) aus Massachusetts (Nord) 1797 - 1801 Föderalist
3. Thomas Jefferson (geb. 1743,  † 1826) aus Virginia (Süd) 1801 - 1809 Republikaner *
4. James Madison (geb. 1751,  † 1836) aus Virginia (Süd) 1809 - 1817 Republikaner *
5. James Monroe (geb. 1758,  † 1831) aus Virginia (Süd) 1817 - 1825 Republikaner *
6. John Quincy Adams (geb. 1767,  † 1848) aus Massachusetts (Nord) 1825 - 1829 Republikaner *
7. Andrew Jackson (geb. 1767,  † 1845) aus North Carolina (Süd) 1829 - 1837 Demokrat
8. Martin van Buren (geb. 1782,  † 1862) aus New York (Nord) 1837 - 1841 Demokrat
9. William H. Harrison (geb. 1773,  † 1841) aus Virginia (Süd) 1841 (verstorben) Whig
10. John Tyler (geb. 1790,  † 1862) aus Virginia (Süd) 1841 - 1845 Whig
11. James K. Polk (geb. 1795,  † 1849) aus North Carolina (Süd) 1845 - 1849 Demokrat
12. Zachary Taylor (geb. 1782,  † 1850) aus Virginia (Süd) / Kentucky 1849 - 1850 (verstorben) Whig
13. Millard Fillmore (geb. 1800,  † 1874) aus New York (Nord) 1850 - 1853 Whig
14. Franklin Pierce (geb. 1804,  † 1869) aus New Hampshire (Nord) 1853 - 1857 Demokrat
15. James Buchanan (geb. 1791,  † 1868) aus Pennsylvania (Nord) 1857 - 1861 Demokrat
16. N Abraham Lincoln (geb. 1809,  † 1865) aus Kentucky (Süd) 1861 - 1865 (ermordet) Republikaner
16. S Jefferson Davis (geb. 1808,  † 1889) aus Kentucky (Süd) 1861 - 1865 (Konföderation) Demokrat
17. Andrew Johnson (geb. 1808,  † 1875) aus North Carolina (Süd) 1865 - 1869 Republikaner
18. Ulysses S. Grant (geb. 1822,  † 1885) aus Ohio (Nord) 1869 - 1877 Republikaner
19. Rutherford B. Hayes (geb. 1822,  † 1893) aus Ohio (Nord) 1877 - 1881 Republikaner
20. James A. Garfield (geb. 1831,  † 1881) aus Ohio (Nord) 1881 (ermordet) Republikaner
21. Chester A. Arthur (geb. 1830,  † 1886) aus Vermont (Nord) 1881 - 1885 Republikaner
22. Grover Cleveland (geb. 1837,  † 1908) aus New Jersey (Nord) 1885 - 1889 Demokrat
23. Benjamin Harrison (geb. 1833,  † 1901) aus Ohio (Nord) 1889 - 1893 Republikaner
24. Grover Cleveland (geb. 1837,  † 1908) aus New Jersey (Nord) 1893 - 1897 Demokrat
25. William McKinley (geb. 1843,  † 1901) aus Ohio (Nord) 1897 - 1901 (ermordet) Republikaner
26. Theodore Roosevelt (geb. 1858,  † 1919) aus New York (Nord) 1901 - 1909 Republikaner
27. William H. Taft (geb. 1857,  † 1930) aus Ohio (Nord) 1909 - 1913 Republikaner
28. Woodrow Wilson (geb. 1856,  † 1924) aus Virginia (Süd) 1913 - 1921 Demokrat
29. Warren G. Harding (geb. 1865,  † 1923) aus Ohio (Nord) 1921 - 1923 (verstorben) Republikaner
30. Calvin Coolidge (geb. 1872,  † 1933) aus Vermont (Nord) 1923 - 1929 Republikaner
31. Herbert C. Hoover (geb. 1874,  † 1964) aus Iowa 1929 - 1933 Republikaner
32. Franklin D. Roosevelt (geb. 1882,  † 1945) aus New York 1933 - 1945 (verstorben) Demokrat
33. Harry S. Truman (geb. 1884,  † 1972) aus Missouri 1945 - 1953 Demokrat
34. Dwight D. Eisenhower (geb. 1890,  † 1969) aus Texas 1953 - 1961 Republikaner
35. John F. Kennedy (geb. 1917,  † 1963) aus Massachusetts 1961 - 1963 (ermordet) Demokrat
36. Lyndon B. Johnson (geb. 1908,  † 1973) aus Texas 1963 - 1969 Demokrat
37. Richard M. Nixon (geb. 1913,  † 1994) aus California 1969 - 1974 Republikaner
38. Gerald Ford (geb. 1913) aus Michigan 1974 - 1977 Republikaner
39. James E. „Jimmy“ Carter (geb. 1924) aus Georgia 1977 - 1981 Demokrat
40. Ronald Reagan (geb. 1911) aus Illinois 1981 - 1989 Republikaner
41. George Bush (geb. 1924) aus Massachusetts 1989 - 1993 Republikaner
42. Bill Clinton (geb. 1946) aus Arkansas 1993 - 2001 Demokrat
43. George W. Bush (geb. 1946) aus Texas 2001 - Republikaner

Abraham Lincoln
(geb. 1809,  † 1865)

Kentucky-Fahne
Abraham Lincoln

16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika

Regierungszeit:1861 – 1865 (ermordet)
Parteizugehörigkeit:Republikaner
Heimatstaat:Kentucky (Südstaat)
Haltung zur Sklaverei:contra
  

Sohn eines Kleinfarmers; Selbststudium der Rechte, Zulassung als Anwalt. Lincoln gilt, gleichrangig mit dem Staatsgründer Washington und noch vor Jefferson und den beiden Roosevelts, als einer der bedeutendsten Präsidenten der amerikanischen Geschichte. Der Hauptteil dieses Ruhms ist der Tatsache zu verdanken, daß er sich im Amt befand, als die Nation an ihrem wichtigsten Scheideweg stand: vor der Entscheidung nämlich, ob sich in der Sklavenfrage der Norden oder der Süden durchsetzen werde.

Obwohl Lincoln vorgab, kein radikaler Abolitionist zu sein, und er den Bürgerkrieg zunächst scheinbar nicht mit dem Vorsatz der Sklavenbefreiung führte, versetzte doch allein seine Wahl den Süden derart unter Zugzwang, daß zuerst South Carolina, bis zur Amtseinführung dann nach und nach fast alle Südstaaten aus der Union austraten. Tatsächlich ist davon auszugehen, daß es ihm mehr um den Schutz wirtschaftlicher Interessen des Nordens als eigentlich um die Befreiung von Negersklaven ging: Im Wahlkampf stellte er wissentlich die falsche Behauptung auf, der Süden plane, die Sklaverei nach Norden auszudehnen, und heizte den Streit damit beträchtlich an. Als er sich 1863 entschloß, die Befreiung als zentrales Kriegsziel zu deklarieren, nahm er diejenigen Sklavenhalterstaaten, die in der Union verblieben waren (Maryland, Delaware), von dem Befreiungsversprechen aus. Zu dieser Handlungsweise paßt Lincolns eigenes opportunistisches Bekenntnis, er würde, wenn es denn den Bestand der staatlichen Einheit sichern würde, darauf verzichten, auch nur einen einzigen Sklaven zu befreien. Gleichzeitig waren es aber seine Drohungen und seine Weigerung, auf Buchanans Schlichtungsversuche einzugehen, die den Süden in die Konföderation und in den Unabhängigkeitskrieg getrieben hatten.

Vor dem Hintergrund solcher politischen Winkelzüge muß auch Lincolns Ansprache nach der Schlacht von Gettysburg (1863) verstanden werden, die bei aller Kürze wohl die berühmteste Volksrede der amerikanischen Geschichte werden sollte:
„Vor 87 Jahren gründeten unsere Väter auf diesem Kontinent eine neue Nation, empfangen in Freiheit und dem Grundsatz geweiht, daß alle Menschen gleich erschaffen sind. Nun stehen wir in einem großen Bürgerkrieg, der eine Prüfung ist dafür, ob diese Nation oder irgendeine dergestalt empfangene und auf den gleichen Grundsätzen beruhende Nation Bestand haben kann. Wir haben uns hier auf einem der großen Schlachtfelder dieses Krieges versammelt. Wir sind gekommen, einen Teil dieses Feldes zur ewigen Ruhestätte für jene zu weihen, die ihr Leben dafür gaben, daß diese Nation leben möge. Es ist nur recht und billig, daß wir dies tun. Doch in einem weiteren Sinn können wir diesen Boden nicht weihen, können wir ihn nicht einsegnen, können wir ihn nicht heiligen. Die tapferen Männer, Überlebende und Tote, die hier kämpften, haben ihn weit mehr geweiht, als daß wir mit unserer schwachen Kraft etwas verringern oder hinzufügen könnten. Die Welt wird sicher kaum Notiz nehmen von dem, was hier gesagt wird, und sie wird sich gewiß nicht lange daran erinnern, aber sie wird nie vergessen, was diese Männer getan haben. An uns, den Lebenden, ist es vielmehr, uns dem unvollendete Werk zu weihen, das diese Männer so trefflich vorangetrieben haben. An uns ist es, uns der großen Aufgabe zu weihen, die noch vor uns liegt, und von diesen verehrten Toten zu lernen, uns noch stärker der Sache zu widmen, für die sie alles gegeben haben. Wir wollen hier den unerschütterlichen Beschluß fassen, daß ihr Tod nicht umsonst gewesen sein soll, daß diese Nation mit Gottes Hilfe eine Neugeburt der Freiheit erleben soll, und daß die Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk, nicht von der Erde verschwinden soll.“

Die Wende des Krieges zu Ungunsten der Konföderierten Staaten rettete dem Bürgerkriegspräsidenten 1864 die fast schon für unmöglich gehaltene Wiederwahl. Einen Monat nach dem zweiten Amtantritt und wenige Tage nach der bedingungslosen Kapitulation des Südens wurde Abraham Lincoln während eines Theaterbesuchs von einem Südstaatler erschossen. Es war das erste Mal, daß ein amerikanischer Präsident ermordet wurde.

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