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QUELLEN ZUR DEUTSCHEN GESCHICHTE
Quellen-Auswahl

Gustav Stresemann: Rede zur Reichstagswahl 1928
Appell an die Wähler

Im Mai 1928 ruft Außenminister Stresemann (DVP) angesichts der bevorstehenden Wahl zur Besonnenheit und zum „Verzicht auf extreme Meinungen“ auf. Sein früher Tod im darauffolgenden Jahr und die inzwischen heraufgezogene Wirtschaftskrise verhindern einen dauerhaften Erfolg seines Appells: Seit 1930 sollten die Stimmenanteile der Kommunisten und der Nationalsozialisten stetig zunehmen.

„In diesen Zeiten großer, bewegender Fragen, von denen unsere Zukunft abhängt, gibt es für uns in der Partei nur einen Leitstern: die Ansprüche der Zeit zu befriedigen, frei von Illusionen, mit sachlicher, nüchterner Arbeit und jener Realpolitik, die in Wirklichkeit das höchste an Idealismus ist, weil sie das heiße Herz da bändigt, wo nur der kühle Verstand uns vorwärts zu bringen vermag. Wir haben dem Volke versprochen, nationale Realpolitik zu treiben, haben es getan nach außen und innen, und nur ein Tor kann leugnen, daß das Deutschland von heute ein anderes ist als das Deutschland, in dem vor fünf Jahren um die Beendigung der Ruhrpolitik gekämpft wurde. Bismarck hat einmal gesagt:‘Zu einer ruhigen, dauernden Regierung führt nur der Verzicht auf extreme Meinungen.’“

Gustav Stresemann
1878 - 1929

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